"STEFANO PATARA: Was für ein Mann - Traditionelles Handwerk liegt Stefano Patara am Herzen. Er reist durch ferne Länder und trägt rustikale Keramik und handgeschmiedete Messer für seinen kleinen Freiburger Laden zusammen.

Stefano Patara spricht acht Sprachen, darunter Arabisch, Griechisch und Holländisch. Er ist Doktor der Politikwissenschaften und war Zwölf Jahre Geografie- und Politiklehrer an der amerikanischen Schule in Mailand. Heute hat er einen wunderhübschen kleinen Laden in Freiburgs Altstadt. Bei "Patara - Mediterranean Trade" verkauft er handgemachte Keramik aus Sizilien, Olivenöl aus Sardinien und Messer aus der Toskana. "Mir gefallen handgemachte Dinge, ich schaue gern zu, wenn Messer geschmiedet oder Glas geblasen wird", erzählt der 50-jährige Italiener in erstklassigem Deutsch. Das Geschirr "Fiore" war sein allererster Einkauf für einen Laden, von dem er noch gar nicht wusste, dass er ihn eröffnen würde. Stefano Patara hatte nämlich gerade eine Karriere als Reisebüro-Organisator in Panama beendet und wusste nicht so recht, was er nun wo anfangen sollte. Für einen deutschen Freund fuhr er erst einmal nach Sizilien um Wein einzukaufen. Eine falsche Autobahnausfahrt brachte ihn in das winzige Santo Stefano di Camastra, das Zentrum sizilianischer Töpferkunst. Dort schaute er zu, wie in den kleinen Manufakturen Becher, Tassen und Krüge gedreht, Teller, Schalen und Henkel geformt wurden. "Kurz entschlossen habe ich für meine letzten 500 Mark Geschirr gekauft". Damit ging er in seine deutsche Lieblingsstadt, nach Freiburg, und mietete eine Garage als Showroom. "Das ist vier Jahre her", lacht der stets fröhliche Ein-Meter-neunzig-Mann, "und jetzt habe ich einen Laden in allerbester Lage." In siebzig Ländern ist der Reise-Fan bereits gewesen. Die Sahara hat er zu Fuß durchquert, und von New York ist er mit der Bahn nach Rio de Janeiro gereist. Wenn er also mal wieder nicht in seinem Laden ist, dann müht er sich wahrscheinlich durchs Atlasgebirge, um von den Berben riesige Schalen zu erwerben. Vielleicht sucht er aber auch gerade schmiedeeiserne Kerzenhalter und handgemachte Pantoffeln in Marrakesch aus. Was für ein Mann!

Living at Home 9/2000